Enstehungskontext: Schwarzenbach reiste im Frühling 1937 über das Baltikum, Danzig und Ostpreussen nach Moskau (Moskaureise 1937), von wo sie die Hinterlassenschaft des
Schweizer Bergsteigers Lorenz Saladins über Finnland und Schweden in die Schweiz brachte, insbesondere die Fotografien seiner letzten, tödlich geendeten Expedition.
Von ihrem hier geschilderten Besuch in Danzig Anfang Mai machte Schwarzenbach
viele Fotografien (siehe Stellenkommentare). Zudem berichtete sie Klaus Mann
in einem – wohl auch aufgrund der anzunehmenden Brief-Zensur – hochironischen Ton über ihren Aufenthalt, vgl. Brief an Klaus Mann vom 05.05.1937. Das dortige 'Lob' des Nationalsozialisten findet sich auch im vorliegenden Text; die Leserschaft dürfte es
angesichts der bekannten antifaschistischen Haltung der Autorin als Kritik verstanden haben. Ob auch der Text direkt aus Danzig an die Redaktion geschickt wurde, d.h. wie der genannte Brief der Zensur
entgehen musste, ist nicht bekannt, liegt aber aufgrund der fünf Monate zwischen dem Danzig-Aufenthalt und der Publikation nicht nahe.
Publikationskontext: Die fünfteiligen Serie "Baltisches Tagebuch" im Luzerner
Tagblatt korrespondiert mit der gleichnamigen, in der National-Zeitung erschienenen dreiteiligen Serie (die jeweiligen Artikel zu Finnland sind sogar weitgehend identisch, vgl. in der National-Zeitung: Baltisches Tagebuch: Suomi - Land zwischen Ost und
West , im Luzerner Tagblatt: Baltisches Tagebuch V: Suomi - Land zwischen Ost und West). Beide Feuilleton-Serien haben
Vorstufen im längeren Typoskript Baltisches Tagebuch und weiterer
Typoskripte.
Der vorliegende Text steht in direktem thematischen Zusammenhang mit Baltisches Tagebuch. Jenseits des Korridors in der National-Zeitung, kreisen doch beide um das Verhältnis der Bevölkerung ehemalig preussischer Gebiete zum Nationalsozialismus. Während in letzterem die ländliche Bevölkerung im Vordergrund
steht, portraitiert ersteres die städtische Bevölkerung.
Historischer Kontext: Die Freie Stadt Danzig gehörte zwar 1937 noch nicht
offiziell dem Dritten Reich an, wurde jedoch seit den Danziger Wahlen 1933
nationalsozialistisch regiert. Mit dem Anschluss an Deutschland und dessen
Angriff auf die polnisch verwaltete Westerplatte im Danziger Hafen 1939 begann
hier der deutsche Angriff auf Polen und damit der 2. Weltkrieg.