Überblickskommentar
Entstehungskontext: Nachdem sich zu Beginn ihrer Kongoreise
(1941–1942) im Juni 1941 Schwarzenbachs Hoffnung zerschlug, für die Exilregierung Frankreichs in Brazzaville tätig zu werden, entschloss sie sich, das
tiefere Landesinnere zu erkunden. Sie reiste deshalb im Juli mit dem Schiff nach Lisala und mit einem Lastwagen weiter zur Plantage Molanda, die vom
Ehepaar Ami Paul Vivien und Hedwig Vivien geführt wurde. Dort verbrachte sie den August und September 1941, bevor sie mit Hedwig Vivien bis in den Tschad und
wieder zurück reist.
Schwarzenbachs Bewunderung für deren Urbarmachung des Dschungels war gekoppelt an implizit bis offen geäusserte rassistische
Verachtung für die einheimische Bevölkerung. Diese kommt etwa in der vorliegenden Beschreibung einheimischer Kinder als 'Rudel' bei
gleichzeitiger Nennung mit Hunden und Ziegen zum Ausdruck. Es sind neben ausdrücklichen Stereoptypien auch Auslassungen, welche die
vermeintliche Überlegenheit weisser Kolonialist:innen betonen, hier namentlich Ami
Paul und Hedwig Vivien. Indem sie am Ende des Artikels die
Urbarmachung des Urwalds als Tat dieser "zwei Menschen allein" hervorhebt, blendet Schwarzenbach die Arbeit der lokalen Bevölkerung
aus. Ungeklärt bleibt dabei auch, wie freiwillig oder in welchem vertraglichen Verhältnis diese Arbeit getan wurde. Noch
ausdrücklicher tritt Schwarzenbachs Rassismus imBrief an Carson McCullers vom 29.
Juli 1941 zu Tage.
Publikationskonstext: Über ihre Reise und ihren Aufenthalt in Molanda verfasste Schwarzenbach für die Thurgauer Zeitung die
dreiteilige Artikel-Serie "Schweizer Pionierarbeit im Urwald", jeder der drei Artikel ist durch zwei Untertitel geteilt.
Historischer Kontext: Die Schweiz besaß keine offiziellen
Kolonien, hat jedoch eine lange Tradition von Auswanderer:innen, insbesondere von landwirtschaftlichen Kolonist:innen, auf die der
Ausdruck der Pionierarbeit in Schwarzenbachs Serientitel anspielt. Zur Zeit der Publikation befindet sich die Schweiz zudem in der sogenannten Anbauschlacht, einer breit angelegten Bestrebung, den
Nahrungsbedarf des ganzen Landes durch die inländische Landwirtschaft zu decken. Die Schilderung der erfolgreichen 'Pionierarbeit'
in Afrika spiegelt dies.